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Jeannot, Erinnerungen eines Kindes, Jean Dutourd
Jeannot, Erinnerungen eines Kindes, Jean Dutourd
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"Dieses Buch endet, wenn ich dreizehn bin. Dreizehn ist das Alter, in dem die Kindheit endet, in dem man zum Jugendlichen wird, das heißt zum Mann, und in dem man auf geheimnisvolle Weise all die Intelligenz verliert, die man bis dahin besaß."
Jean Dutourd
"Die meisten Menschen haben vergessen, welche Art Seele man mit sechs, acht, zwölf Jahren hat. Man nimmt als selbstverständlich an, dass das Kind nur der Entwurf des Menschen ist. Doch das stimmt nicht: Das Kind ist ein in sich abgeschlossenes Wesen und sehr unterschiedlich vom Erwachsenen. Es hat seine eigenen Ideen, seine Moral, seine Wünsche, seine Lieben, seine Philosophie und schließlich die Waffen, die seinem Zustand angemessen sind. Da es das schwächste ist, kann die meistgenutzte dieser Waffen nur die Lüge sein. Kinder lügen unaufhörlich, für die Ruhe, um das Leben abzukürzen. In Romanen oder Memoiren sind Kinder sozusagen anthropomorph. Ich habe hier versucht, im Gegensatz dazu ein völlig kindliches Kind zu malen, so wie Jack London die Schlittenhunde malte, indem ich mich in seine Haut versetzte, die nicht meine ist. Oder besser gesagt, die nicht mehr meine ist, denn Jeannot, der Held dieses Buches, bin ich selbst, von sechs bis dreizehn Jahren. Ich habe nichts aus dieser Zeit vergessen, und was ich geglaubt hatte, vergessen zu haben, ist intakt in meinem Gedächtnis wieder aufgetaucht, das heißt nicht nur die Ereignisse meiner Kindheit, sondern auch die Ideen, Gefühle, Leidenschaften, die Erfahrungen, die ich damals hatte. Einige Episoden waren Tragödien, wie der Tod meiner Mutter, als ich sieben war; andere waren Komödien, wie die Militärzeit meines Vaters, meine hochrangigen Beziehungen zum exilierten König von Rumänien in Paris, mein Hinauswurf aus dem Katechismusunterricht, die Beschreibung der Kolonialausstellung, ein großes Fest der Dritten Republik. Dieses Buch endet, wenn ich dreizehn bin. Dreizehn ist das Alter, in dem die Kindheit endet, in dem man zum Jugendlichen wird, das heißt zum Mann, und in dem man auf geheimnisvolle Weise all die Intelligenz verliert, die man bis dahin besaß. Ich hatte damals ganz deutlich ein Gefühl der intellektuellen und emotionalen Regression. Kurz gesagt, ich wurde dumm. Vielleicht bin ich erst heute endlich wieder Jeannot geworden? Das hat seine Zeit gebraucht!"
Jean Dutourd
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